Bondorfer Elternbrief (Für Eltern von Kindern zwischen 1 und 3 Jahren)

Liebe Eltern,
das erste Jahr mit Ihrem Kind ist vorüber und es wird mit jedem Tag selbstständiger. Gerade war es noch ein kleiner hilfloser Säugling und schon fängt es an, sich mehr und mehr auf seine eigenen kleinen wackeligen Beinchen zu stellen und loszulaufen. Mit diesem zweiten Bondorfer Elternbrief gratulieren wir Ihnen zum 1. Geburtstag Ihres Kindes und wollen Ihnen bis hin zum Übergang in den Kindergarten ein paar Gedanken mit auf den Weg geben…

Spagat zwischen Fürsorge und Freiräumen:

Ihr Kind ist nicht mehr dieses kleine schutzlose Baby wie zu Beginn seines Lebens und dennoch braucht es Sie nun auf eine ganz andere Weise als bisher.
Einerseits benötigt Ihr Kind nach wie vor Ihre unentwegte Zuwendung und Aufmerksamkeit, auch wenn es sich mehr und mehr von Ihnen lösst, bewirkt doch Ihre bloße Anwesenheit, dass es sich beim Erforschen seiner neu entdeckten Fähigkeiten sicher fühlen kann.

Spagat zwischen Nachgiebigkeit und klaren Grenzen

Was man im Allgemeinen als Trotzalter bezeichnet, ist für Zweijährige eine Zeit im Zwiespalt zwischen Wollen und Können, zwischen Erfolg und Misserfolg. Dass Ihr Kind seinen eigenen Kopf hat und unausstehlich wird, wenn etwas nicht klappt, wie es sich das vorstellt, kennen Sie jetzt bestimmt schon zur Genüge.
Ein kleiner Tipp: Vielleicht hilft ein Szenenwechsel oder ihr Kind kann auf ein verlockendes Angebot eingehen - lassen Sie sich etwas einfallen, das ihm erlaubt, sein Gesicht zu wahren. Stellen Sie sich vor wie es sich anfühlen muss, wenn Sie unbedingt mit Ihren Lieblingsgummistiefeln spazieren gehen wollen und es Ihnen einfach verboten wird!
Ein Kind braucht die Erfahrung, dass es mit Seinem Willen etwas verändern und beeinflussen kann. Je mehr Sie verbieten und Druck ausüben, desto großer wird der Widerstand! Je weniger strikte Neins Sie austeilen, desto besser wirken sie. Wenn Sie Ihrem Kind viel körperliche und innerliche Entfaltungsmöglichkeiten gewähren, werden sich die entrüsteten Rebellionen in Grenzen halten.

Spielen für das Leben

Wenn Sie bei Ihrem Kind um die Mitte des zweiten Lebensjahres die ersten „richtigen” Wörter aus dem täglichen Geplapper heraushören, packt Sie vielleicht ein unbändiger Stolz. Ihrem Kind geht es genauso. Schon bald hören Sie das erste „Warum?”, dass Sie von nun an in Ihrem Alltag stetig begleiten wird. Wer viel fragt, will viel wissen! Bilderbücher sind ein gutes Futter für den Hunger von Verstand und Phantasie. Generell geht es jetzt darum, wie Sie Ihr Kind am besten in seiner Entwicklung fördern können. So wichtig wie die Luft zum Atmen, ist dabei das Spielen. Im Spiel kann ein kleines Kind alles üben, was es für das „wirkliche” Leben braucht: es kann sich austoben, Erlebnisse verarbeiten, in verschiedene Rollen schlüpfen, sich mit anderen messen und die Spielregeln des Alltags kennenlernen. Machen Sie sich nicht einen zu großen Kopf, welches Spielzeug nun besonders pädagogisch wertvoll sein könnte: ein paar Dinge zum Liebhaben, zum Herumtollen, Dinge zum Planschen, zum Bauen und zum Musikmachen reichen völlig aus.

Kleine Kinder vor dem Fernsehapparat/Tablet/Handy?

Die Zeit des Kindergartens naht!

Noch wenige Wochen, dann ist es so weit: Bald haben Sie ein Kindergartenkind! Vielleicht haben Sie sich aber auch schon viel früher für eine Kleinkinderbetreuung entschieden, weil Sie berufstätig sind, oder sich Ihr Kind zu Hause langweilt. Ob zögerlich oder voller Vorfreude - den Schritt in diese neuen Welten macht jedes Kind auf seine Weise. Jeder Anfang braucht seine Zeit und alle Kinder brauchen Ihre Eltern, um in der neuen Umgebung Fuß zu fassen.